Erinnerungen aus meiner Dienstzeit - Überprüfung der GB

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Erinnerungen aus meiner Dienstzeit - Überprüfung der GB

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Beitragvon murzy » Mittwoch 10. April 2019, 18:30

Das Forum hat sich über die Raketenschießabschnitte ausgetauscht. Ein Gefechtsschießen war nicht dabei.

nachfolgend meine Info über die
Überprüfung der Gefechtsbereitschaft der 1. RTSB 1978

Im Juli 1978 wurde die 1. RTSB – Brigade gefechtsmäßig überprüft. Nach Herstellung der Gefechtsbereitschaft wurden zwei RS-Boote mit je einer Rakete ausgerüstet. Mit den zwei RS-Booten und einem TS-Boot wurde eine Schiffsschlaggruppe gebildet, die im Zusammenwirken mit einer polnischen SSG und einer SSG der Baltischen Flotte im Rahmen einer Übung der Räumkräfte der Baltischen Flotte die Sicherung dieser Kräfte gegen Angriffe von Überwasserkräften des Gegners zu gewährleisten hatte. Die Räumkräfte handelten im Raum Baltisk. Unser Handlungsgebiet erstreckte sich süd-östlich Bornholm, Gdansker Bucht bis Kap Taran. Zieldarstellung fuhr der Kreuzer KOMSOMOLSK. An Bord befanden sich die Chefs der drei Flotten und der Oberkommandierende der Warschauer Vertragsstaaten Marschall der Sowjetunion Kulikow. Das Wetter war nicht das Beste. Wind 6 bis 7 und See um 5 waren grenzwertig für einen faktischen Waffeneinsatz. Die vorgesehenen polnischen TS-Boote kamen wegen der Wetterlage nicht zum Einsatz
Unsere Aufgabe war die Aufklärung und Bekämpfung des Gegners mit drei nachfolgenden konzentrierten Raketenschlägen (simuliert) nach Angaben eines Fühlungshalters auf möglichst maximale Schussdistanz. Den 1. Raketenschlag führten wir unter meinem Kommando, den zweiten unter dem Kommando des Chefs der polnischen SSG und den dritten Angriff führte der Chef der SSG der 24. Brigade der Baltischen Flotte. Alle handelten nach den Zielangaben unseres TS- Bootes. Die Besatzung hat unter Führung Ihres Kommandanten hat einen hervorragenden Einsatz gezeigt. Sie haben das Zielsicher aufgeklärt, begleitet und gut verwertbare Zieldaten übermittelt. Die spätere Auswertung ergab, dass das Ziel mit allen drei Raketenschlägen bekämpft wurde.
Der simulierte Torpedoangriff war offensichtlich auch erfolgreich. Denn der Kommandant lief auf dem errechneten Torpedokurs mit maximal möglicher Geschwindigkeit und brachte den Kreuzer zum Abdrehen. Das Zielschliff hatte den Angriff offensichtlich zu spät bemerkt.
Nach dieser Aufgabe war das faktische Raketenschießen durch die drei handelnden SSG`n im Schießgebiet vor Baltisk nach Fühlungshalterangaben auf maximale Schussdistanz zu einer festgelegten Schlagzeit befohlen. Die Führung dieser Aufgabe wurde mir übertragen. Wir waren am weitesten vom Schießgebiet entfernt und mussten mit hoher Geschwindigkeit laufen. Die See hat uns gut durchgeschüttelt. Dann auch noch die Meldung des LI vom Führerboot -Eine Maschine muss abgestellt werden, sie läuft heiß und droht auszufallen -. Mir blieb nichts weiter übrig als zu befehlen, die Maschine so lange zu fahren bis sie ausfällt. Er war verstört, widersprach aber nicht und hat wohl eine kleine Heldentat vollbracht um die Maschine so lange wie möglich am Laufen zu halten. Sie musste nach dem Einlaufen gewechselt werden. Aber wir waren pünktlich auf der befohlenen Ausgangsposition. Die beiden anderen SSG`n waren bereits auf ihrer Position. Ich übernahm das Kommando und befahl unser TS-Boot als Fühlungshalter zur Aufklärung unserer Ziele. Die Fühlungshalterangaben waren nach Kap Taran zu berechnen und zu übermitteln. Die rechtzeitige und richtige Übermittlung der Peilung und Distanz zum Kap Taran war die eine Seite. Wir hätten die Raketen rechtzeitig auf maximale Distanz, 220 kblg., starten können.
Aber: Der Kommandant meldet über UKW – westdeutsches Aufklärungsschiff liegt nördlich ca. 15 bis 20 kblg. hinter der Scheibe -. Darauf habe ich den sofortigen Abbruch des Angriffs befohlen und mich an den Kreutzer über UKW mit der Meldung des Aufklärers und der Bitte, über diplomatische Kanäle die OSTE aufzufordern das Schießgebiet zu verlassen, gewandt. Es verging gut eine Stunde ohne Ergebnis. Um die Raketen starten zu können habe ich dann vorgeschlagen, den Angriff nach eigenen Zielparametern auf 110 kblg. auszuführen. Damit war die Sicherheit der OSTE gewährleistet. Der Zielsuchkopf der Rakete hat die Scheibe sicher im Visier. Mein Vorschlag wurde bestätigt. Ich gab die notwendigen Befehle zur Annäherung an die Scheiben auf 110 kblg. und befahl die Zeit des Schlages (Eintreffen der Rakete am Ziel) Die Chefs der SSG`n haben die Startzeit ihrer Raketen berechnet und befohlen. Alle Raketen wurden zeitgerecht gestartet. Leider haben nicht alle das Ziel erreicht. Unsere aber hat erhebliche Schaden an der Scheibe angerichtet. Der ungebetene Aufklärer dürfte beeindruckt gewesen sein.
Es waren fast zwei Stunden vergangen seit dem die Raketen startklar waren. Wenn wir die Raketen so nicht hätten starten können, hätten die Armaturen abgeschaltet werden müssen.
Man kann sich vorstellen wie allen an Bord bei vollem Verschlusszustand, der angestauten Wärme auf den Gefechtsstationen und unter Kampfanzug zu Mute war. Ich glaub, da hat jeder mindestens 1 bis 2 Kilogramm Gewicht verloren.
Vom Kreuzer kam ein Glückwunsch zur Erfüllung der Aufgaben und der Befehl zu Rückkehr in die Stützpunkte. Wir hatten einen langen Weg vor uns und konnten nur mit eingeschränkter Geschwindigkeit laufen. Wir haben eine Maschine aufgeben müssen. Der Wind und die See hatten nachgelassen und wir führen mit gutem Gefühl zurück nach Dranske.
Nach wenigen Tagen wurde mir eine Urkunde mit Aussprechen des Dankes durch den Oberkommandierenden der Streitkräfte des Warschauer Vertrages Marschall der Sowjetunion Kulikow übergeben.
Übersetzung:
Für die geschickte, sachkundige Führung der handelnden Unterstellten während der taktischen Übung der Stoß- und Räumkräfte der vereinten Flotten auf der Ostsee mit der Ausführung von faktischen Raketen- und Artillerieschießen und der dabei entwickelten Initiative spreche ich
dem Fregattenkapitän Werner Murzynowski den Dank aus.
Ich wünsche dem Genossen Werner Murzynowski eine kräftige Gesundheit und weitere Erfolge in der Arbeit.

Die teilnehmenden Boote waren die 712, 714, 814. Eventuell war jemand von Euch dabei?

Kammeradschftliche Grüße aus Stralsund

murzy
[Beitrag moderiert, Eddy]



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Re: Erinnerungen aus meiner Dienstzeit - Überprüfung der GB

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Beitragvon Hogo » Mittwoch 10. April 2019, 21:31

Nicht auf Seiten der VM, aber fast auf der anderen Seite. Wir hatten im Juli 1978 unser Schiffspraktikum auf dem leichten Artilleriekreuzer "KOMSOMOLEZ".



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Re: Erinnerungen aus meiner Dienstzeit - Überprüfung der GB

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Beitragvon murzy » Donnerstag 11. April 2019, 09:18

Holger, dann warst Du also dabei. An die Einzelheiten wirst Du Dich als Praktikant wohl nicht erinnern. Oder?

Beste Grüße
murzy



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Re: Erinnerungen aus meiner Dienstzeit - Überprüfung der GB

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Beitragvon Hogo » Donnerstag 11. April 2019, 21:53

Nee, nicht wirklich.



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